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Sonnenkraft trifft Landwirtschaft: Erfolgreicher Bionet-Fachtag „Agri-PV & Ackerbau“ im Seewinkel

  • 17. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Wie können Landwirtschaft und Photovoltaik sinnvoll miteinander verbunden werden? Antworten auf diese zukunftsweisende Frage lieferte der Bionet-Fachtag Agri-PV & Ackerbau, der Anfang Juni am Tadtner Meierhof (Neuhof Tadten) im burgenländischen Seewinkel stattfand. Die Veranstaltung wurde von Bionet Österreich gemeinsam mit der PANNATURA GmbH als Praxispartner organisiert und brachte Fachleute aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Energiebranche zusammen.

Im Mittelpunkt stand die Agri-PV beziehungsweise Agri-Photovoltaik, eine innovative Form der nachhaltigen Landnutzung, bei der landwirtschaftliche Produktion und Stromgewinnung auf derselben Fläche kombiniert werden. Die hohe Teilnehmerzahl und die intensive fachliche Diskussion verdeutlichten das wachsende Interesse an Agri-PV in Österreich und den Möglichkeiten, erneuerbare Energien mit einer leistungsfähigen Landwirtschaft zu verbinden.

 

Agri-PV als Zukunftsmodell für nachhaltige Landwirtschaft

Die Kombination aus Photovoltaik in der Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Produktion gilt als vielversprechender Ansatz, um Herausforderungen wie Klimawandel, Flächenknappheit und Energieversorgung gleichzeitig zu begegnen. Im Rahmen des Fachtags wurden aktuelle Forschungsergebnisse, technische Entwicklungen und praktische Erfahrungen rund um Agri-PV und Ackerbau vorgestellt.

Den Auftakt machte Alexander Bauer von der Universität für Bodenkultur Wien mit Einblicken in laufende Untersuchungen zu Bodenfeuchte, Regenverteilung, Windeinwirkungen und dem Einfluss von Solarmodulen auf die landwirtschaftliche Nutzung. Zudem präsentierte er Ergebnisse von Schattensimulationen und Berechnungen zur verfügbaren Sonnenenergie unter den Modulen.

Anschließend erläuterte Martin Wette von der Landwirtschaftskammer Österreich die rechtlichen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Agri-PV-Systeme. Dabei wurde deutlich, welche Rolle erneuerbare Energien bereits heute in Österreich spielen und welches Potenzial die Agrar-Photovoltaik für die zukünftige Energieversorgung besitzt.

 

Internationale Praxisbeispiele und aktuelle Forschung zu Agri-Photovoltaik


Weitere Fachvorträge boten spannende Einblicke in internationale Entwicklungen. Ralf Roggenbauer vom Energiepark Bruck/Leitha stellte verschiedene Umsetzungsmodelle aus Europa und China vor und zeigte, wie sich Photovoltaik in der Landwirtschaft erfolgreich integrieren lässt.

Till Skudelny von der Doppelernte GmbH präsentierte das Konzept der Doppelernte, bei dem landwirtschaftliche Produktion und Stromerzeugung parallel erfolgen. Besonders im Fokus standen bifaziale Solarmodule, die Sonnenlicht auf Vorder- und Rückseite nutzen und dadurch höhere Energieerträge ermöglichen.

Einen Überblick über die Entwicklung und aktuelle Forschung zu Agri-Photovoltaik gab Rhea Pöter vom Fraunhofer ISE. Ergänzend stellte Stefan Baumann vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Schweiz) das Langzeitprojekt AgriSolar vor. Über einen Zeitraum von 25 Jahren werden dabei Erkenntnisse zur landwirtschaftlichen Nutzung von Agri-PV-Anlagen, zum Klimaschutz sowie zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft gesammelt.

 

Agri-PV-Projekt Tadten Wallern als Vorzeigeprojekt Europas

Ein besonderer Schwerpunkt des Fachtags lag auf der Vorstellung des Agri-PV-Projekts Tadten Wallern, das als eines der größten Agri-PV-Wind-Kombinationsprojekte Europas gilt.

Die Anlage wurde nach rund zwölf Monaten Bauzeit im März 2025 in Betrieb genommen und umfasst derzeit 120 Hektar installierte Fläche mit einer Modulleistung von 118 Megawatt, während sich weitere 18 Hektar in der zweiten Bauphase im Ausbau befinden. 

Während Burgenland Energie die technische Planung und Umsetzung der Stromerzeugung sicherstellt, bringt PANNATURA die notwendige Expertise in der biologischen Bewirtschaftung und Biodiversitätsförderung ein. 

Das Projekt vereint diese wichtigen Komponenten somit in einem zukunftsweisenden Gesamtkonzept:

  • Verzicht auf klassische Einzäunungen zugunsten natürlicher Heckenstrukturen

  • Erhalt bestehender Biotopverbünde

  • Schaffung zusätzlicher Lebensräume für Pflanzen und Tiere

  • Förderung der Biodiversität und der Biodiversität unter Photovoltaikanlagen

  • Vollständige Offenheit der Flächen für landwirtschaftliche Nutzung

  • Neue Bewirtschaftungsmöglichkeiten durch innovative Anlagenkonzepte

Damit gilt das Agri-PV-Projekt Tadten Wallern als Vorbild für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Landwirtschaft im Einklang mit Klimaschutz und Energieerzeugung.

 

Feldbesichtigung: Agri-PV und Ackerbau in der Praxis

Am Nachmittag stand die praktische Umsetzung im Mittelpunkt. Bei einer umfangreichen Feldbesichtigung Agri-PV erhielten die Teilnehmenden Einblicke in laufende Versuche von FiBL Österreich.

Untersucht werden verschiedene Kulturarten, darunter Getreide, Leguminosen und Feldgemüse. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Kulturen wie Salat, Knoblauch, Soja und Erdäpfel besonders gut mit den Bedingungen unter Agri-PV-Anlagen zurechtkommen. Dieses Praxisbeispiel verdeutlicht das Potenzial einer effizienten Verbindung von Ackerbau und Stromerzeugung.

Ein weiteres Highlight war die Vorführung moderner Hackrobotik durch die Projektpartner. Die Demonstration zeigte eindrucksvoll, welchen Beitrag Digitalisierung in der Landwirtschaft und Automatisierung in der Landwirtschaft künftig leisten können. Von präziser Bodenbearbeitung bis hin zu autonomen Arbeitsschritten eröffnen sich neue Möglichkeiten für eine ressourcenschonende Bewirtschaftung.

 

Starke Partnerschaften für die Landwirtschaft der Zukunft

Die Veranstaltung wurde in enger Zusammenarbeit mit BIO AUSTRIA Burgenland, FiBL Österreich, PANNATURA GmbH und weiteren Partnern umgesetzt. Der fachliche Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Energiebranche zeigte einmal mehr, dass innovative Lösungen nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen können.

Die positive Resonanz bestätigt, dass Agri-PV in Österreich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Bionet-Fachtag Agri-PV & Ackerbau machte deutlich, welches Potenzial in der Verbindung von Agri-Photovoltaik, nachhaltiger Landwirtschaft und erneuerbaren Energien steckt. Projekte wie das Agri-PV-Projekt Tadten Wallern zeigen beispielhaft, wie eine zukunftsfähige, wirtschaftliche und ökologische Landnutzung gestaltet werden kann.


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