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Biodiversität mit Biss: Biber und Nutria in der Kulturlandschaft

  • 23. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Stunden

PANNATURA Biodiversitäts-Event: Chancen und Herausforderungen im Umgang mit Biber und Nutria



Wie gelingt erfolgreicher Biodiversitätsschutz, wenn geschützte und invasive Arten zunehmend denselben Lebensraum nutzen? Dieser Frage widmete sich das diesjährige PANNATURA Biodiversitäts-Event am Bio-Landgut Esterhazy. Im Mittelpunkt standen Biber und Nutria, ihre Auswirkungen auf Natur und Mensch sowie die Herausforderungen für ein nachhaltiges Wildtiermanagement in unserer Kulturlandschaft.


Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Naturschutz, Jagd und Landnutzung tauschten sich über aktuelle Entwicklungen, Erfahrungen aus der Praxis und mögliche Lösungsansätze aus. Die Veranstaltung zeigte dabei eindrucksvoll, wie wichtig der fachliche Dialog für den langfristigen Erhalt der Biodiversität ist.

 

Biber als Ökosystem-Baumeister: Beitrag zur Biodiversität und zu Feuchtlebensräumen


Den Auftakt machte die Biologin Brigitte Komposch mit ihrem Vortrag „Der Biber – Baumeister mit Biss am Vormarsch“.

Der Biber ist das größte Nagetier Europas und durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt. Durch das Fällen von Bäumen und den Bau von Dämmen verändert er aktiv seine Umgebung. Dadurch entstehen neue Gewässerstrukturen und wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Diese ökologische Dynamik macht den Biber zu einem wichtigen Akteur im Artenschutz und im Erhalt der biologischen Vielfalt.

Gleichzeitig können durch seine Aktivitäten Herausforderungen entstehen. Insbesondere Biberschäden an landwirtschaftlichen Flächen, Infrastruktur oder Gewässern erfordern ein professionelles Bibermanagement, das sowohl die Interessen des Naturschutzes als auch jene der Landnutzer berücksichtigt.

 

Nutria: Invasive Art mit zunehmenden Auswirkungen


Im zweiten Fachvortrag beleuchtete Marcus Henke, Präsident der Landesjägerschaft Bremen, das Thema „Nutria im Spannungsfeld zwischen Mensch und Ökologie“. Dabei stellte er die Erfahrungen aus Deutschland vor.

Die Nutria zählt zu den invasiven Arten und stellt vielerorts eine wachsende Herausforderung für Naturschutz, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft dar. Durch ihre intensive Grabtätigkeit können Uferbereiche, Dämme und Böschungen geschädigt werden. Durch den Fraß von Wasser- und Uferpflanzen verändert sie sensible Lebensräume und verursacht häufig Schäden an Kulturen und Infrastruktur.

Die Auswirkungen von Biber und Nutria unterscheiden sich dabei deutlich: Nutria bringen im Unterschied zum Biber keine ökologischen Vorteile für heimische Lebensgemeinschaften. Als potenzieller Krankheitsüberträger und aufgrund ihres teils aggressiven Verhaltens gegenüber Menschen und vor allem Hunden ist die Nutria zusätzlich problematisch.

 

Podiumsdiskussion: Biodiversitätsschutz und Management in Einklang bringen


Im Rahmen der anschließenden Diskussion tauschten sich Brigitte Komposch, Marcus Henke, Tanja Spreitzer-Polleres vom Bibermanagement Burgenland sowie David Simon über die zukünftigen Anforderungen im Umgang mit beiden Tierarten aus.

Einigkeit bestand darüber, dass die Auswirkungen von Biber und Nutria differenziert betrachtet werden müssen. Für ein erfolgreiches Wildtiermanagement sind wissenschaftliche Grundlagen, regelmäßiges Monitoring von Wildtieren und praxisorientierte Maßnahmen entscheidend.

Während beim Biber aufgrund seines Schutzstatus die Suche nach tragfähigen Lösungen im Vordergrund steht, liegt der Fokus bei der Nutria auf Eindämmung und Kontrolle der Bestände.

Die Expertinnen und Experten betonten zudem die Bedeutung einer gezielten jagdlichen Bewirtschaftung der Nutria, um eine unkontrollierte Ausbreitung einzudämmen und Schäden zu minimieren. Gleichzeitig braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen für die Entnahme, die Verwertung von gesundem Wildbret und für Entschädigungen der Jägerschaft, um eine nachhaltige und verantwortungsvolle Bewirtschaftung zu ermöglichen.

 

Perspektiven für die Zukunft: Biodiversität, Naturschutz und Zusammenarbeit

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Biodiversitätsschutz zunehmend bedeutet, unterschiedliche Interessen und Rahmenbedingungen miteinander in Einklang zu bringen. PANNATURA setzt mit diesem Event im Zeichen der Biodiversität bewusst auf fachlichen Austausch und praxisnahe Diskussionen, um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu bewältigen.

Denn nachhaltiger Naturschutz gelingt nur durch Wissen, Dialog und die Bereitschaft, Lösungen gemeinsam zu entwickeln.


Weitere Informationen zu Biodiversität, Naturschutz, Bibermanagement und Biodiversitätsprojekten von PANNATURA finden Sie unter pannatura.at

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