Jagdsymposium am Bio-Landgut Esterhazy: Altersansprache beim Rotwild im Fokus
- 2. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Fachdialog zu moderner Jagdpraxis, Wildbewirtschaftung und wissenschaftlicher Altersbestimmung

Die Altersansprache beim Rotwild war das zentrale Thema des diesjährigen Jagdsymposiums der Esterhazy Betriebe AG und der PANNATURA GmbH. Rund 200 Fachbesucherinnen und Fachbesucher folgten der Einladung in die Schilffabrik am Bio-Landgut Esterhazy, um aktuelle Herausforderungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen rund um die Altersansprache Rotwild, das Rotwildmanagement und eine nachhaltige Wildbewirtschaftung zu diskutieren.
Die Veranstaltung brachte Expertinnen und Experten aus Jagdpraxis, Wissenschaft und Recht zusammen und verdeutlichte die Bedeutung fundierter Entscheidungen für eine zukunftsorientierte nachhaltige Jagd und ein modernes Wildtiermanagement.
Altersansprache beim Rotwild als Schlüssel für nachhaltiges Wildtiermanagement
Die exakte Altersansprache von Rotwild zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Jagdalltag. Sie bildet eine wichtige Grundlage für nachhaltige Abschussentscheidungen, die langfristige Entwicklung der Wildbestände sowie ein professionelles Rotwildmanagement.
Durch die Veranstaltung führte Christa Kummer, Präsidentin des Vereins Grünes Kreuz für Jagd und Natur. Die Begrüßung übernahm David Simon, Leiter für Naturschutz, Jagd, Fischerei und Forschung bei PANNATURA, der die Bedeutung von Wissenstransfer und fachlichem Austausch für eine zeitgemäße Wildbewirtschaftung hervorhob.
Praxis trifft Wissenschaft: Altersansprache und Altersbestimmung Rotwild
Altersansprache im Jagdalltag
Stefan Pfefferle, Revierjagdmeister und Autor, widmete sich der Altersansprache beim lebenden Wild. Er stellte praxisorientierte Methoden vor und hob die Bedeutung von Erfahrung und Beobachtung hervor.
Wissenschaftliche Altersbestimmung beim Rotwild
Im Anschluss präsentierte Andreas Schatz, Gründer des IFAC (Institut für Altersbestimmung von Cerviden), seine wissenschaftliche Methode zur Altersbestimmung: das MultiSegmentTM-Verfahren.
Die Methode funktioniert wie eine Art analoges MRT und nutzt objektive wildbiologische Merkmale. Ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen oder Wachstumsstrukturen bei Fischschuppen werden die Alterslinien im Zahnzement analysiert. Grundlage ist die wissenschaftliche Publikation zum Zahnschliff von B. Mitchell (1967). Damit liefert die Methode wertvolle Erkenntnisse für die Wildbiologie, die Jagdwissenschaft und ein nachhaltiges Jagdmanagement.
Podiumsdiskussion Rotwild: Wie zuverlässig ist die Altersansprache?
Einen Höhepunkt des Jagdsymposiums bildete die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Altersansprache am Rotwild – geht das?“
Auf dem Podium diskutierten:
Eva Erlacher, Rechtsanwältin, Autorin und Jägerin
Andreas Schatz
Stefan Pfefferle
Matthias Grün, Vorstandsvorsitzender der Esterhazy Betriebe AG

Diskutiert wurden die Herausforderungen zwischen jagdlicher Praxis und wissenschaftlicher Genauigkeit. Während im Revier oft unter Zeitdruck und unter Einfluss von Faktoren wie Lebensraum, Verhalten und Körperbau des Stücks entschieden werden muss, zeigt die wissenschaftliche Nachanalyse häufig Abweichungen.
Die Diskussion machte deutlich: Eine verlässliche Altersansprache beim Rotwild erfordert
die Erfahrung der Jägerschaft
eine verbesserte Kommunikation zwischen den Schnittstellen
wissenschaftliche Kontrollmechanismen
angepasste rechtliche Rahmenbedingungen
Nur durch diese Kombination kann die Qualität der Altersansprache verbessert und gleichzeitig ein realistischer Umgang mit möglichen Abweichungen gewährleistet werden.
Zum Abschluss resümierte Matthias Grün die Herausforderungen: „Die Altersschätzung beim Rotwild ist besonders in vielfältigen Lebensräumen wie im Burgenland, wo Winterfütterung nicht notwendig ist, eine große Herausforderung. Nur durch viel Ruhe in den Revieren gelingt es, die Sichtbarkeit des Wilds tagsüber zu steigern und somit bessere Voraussetzungen für die Altersansprache zu schaffen. Doch selbst nach der Erlegung bleibt es eine Schätzung mit naturgemäßen Schwankungen.“
Er fordert, diesem Umstand durch praktikable, leicht verständliche und kontrollierbare Vorgaben in den gesetzlichen Regelungen und deren Auslegung Rechnung zu tragen.
Jagdliche Vielfalt bei PANNATURA
Kaum eine Vegetationszone ist so vielfältig wie der pannonische Raum. Die Reviere von PANNATURA erstrecken sich vom Seewinkel über das Leitha- und Rosaliengebirge bis ins Oberpullendorfer Becken. Diese landschaftliche Vielfalt bringt eine besondere Verantwortung mit sich: nachhaltige, fachgerechte und biodiversitätsorientierte Jagd.
Im Bereich Rotwild werden jährlich rund 350 Stück im Sinne eines nachhaltigen Wildtiermanagements entnommen.
Nachhaltigkeit und Auszeichnungen
Die nachhaltige Jagd ist ein großes Anliegen und Teil der Identität des Unternehmens.:
2017: Auszeichnung aller betrieblichen Jagdflächen mit dem Wildlife Estates Label
2022: Erfolgreiche Rezertifizierung
Dezember 2022: Verleihung des 1. Biodiversitätspreises des Vereins Grünes Kreuz für Jagd und Natur, als Bestätigung der erfolgreich gesetzten Maßnahmen im Einklang mit der Natur ist.
Weitere Informationen: pannatura.at
Jagdsymposium als Plattform für Wissenstransfer und Dialog
Das Jagdsymposium am Bio-Landgut Esterhazy zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Recht für die Weiterentwicklung der Jagd ist. Die Veranstaltung bot eine wertvolle Plattform für den Fachdialog Jagd und lieferte neue Impulse für eine moderne, nachhaltige und wissenschaftlich fundierte Bewirtschaftung von Wildbeständen.
Mit Themen wie Altersansprache beim Rotwild, wissenschaftliche Altersbestimmung, Wildbiologie, Rotwildmanagement und nachhaltige Jagd setzte das Symposium wichtige Akzente für die Zukunft des verantwortungsvollen Wildtiermanagements in Österreich.




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